“Meinen Körper besonders zu schätzen, ist ein Wunder und das jeden Tag.”

Wundergeschichte von der lieben  Luise ♥
 
Das größte Wunder bist du!
 
Ich komme zu mir. Meine Lippen sind taub. Ich zittere. Mein Herz schlägt so schnell, dass ich nicht spüre, ob es das Herz oder das Zittern ist. Ich spüre meinen linken Arm nicht. Ich spüre mein linkes Bein nicht. Ich kann meine Finger nicht bewegen. Mein linker Arm klebt an meinem Körper und ich kann ihn nicht bewegen. Mein Herz schlägt noch schneller. Ich beginne zu weinen. Ich habe Angst…Panik… Was ist das? … Sanitäter lassen mich in eine Tüte atmen, damit ich mich beruhige. Blut wird abgenommen, eine Infusion gelegt. Ich komme direkt ins Krankenhaus. EKG, EEG, Gehirnscan… zwei Stunden später geht es mir wieder blendend. Ich bin müde, aber ich kann alles spüren, alles bewegen. Das Kribbeln ist weg. Die Ergebnisse sind ohne Befund. Ich darf nach Hause gehen.
 
Das war nur der erste dieser „Anfälle“ und sollte nicht der letzte gewesen sein. Es folgten noch viele Krankenhausbesuche und Untersuchungen…niemals mit einem Befund oder einer Idee, was das ist. Mit der Zeit wurden die Abstände kleiner und meine Angst davor, dass es soweit kommen könnte immer größer. Umso größer meine Angst wurde, umso stärker und schlimmer fühlten sich diese Zusammenbrüche an. Es war wie ein Aufgeben meines Körpers. Ein extrem großer Hilferuf aus meinem Inneren. Sobald ich besonders belastet war, griff mein Körper ein. Er gab mir Zeichen. Zeichen, immer wieder und ich habe sie immer wieder ignoriert. Ich habe immer wieder gedacht, dass ich nicht gesund bin, dass etwas mit mir nicht stimmt, dass ich vielleicht sogar sterbe. Oder mir nur alles einbilde? Aber die Symptome waren da. Tatsächlich da.
 
Ich war verzweifelt und wusste nicht mehr weiter. Nach mehreren Jahren mit regelmäßigen Krankenhausbesuchen, war ich nur noch verzweifelt und davon überzeugt, dass ich ewig mit dieser Last und diesem Frust leben müsste. Doch es sollte alles anders kommen.
 
An einem Sommertag …mir wurde heiß, mein Herz raste, meine Lippen kribbelten, meine linke Gesichtshälfte wurde taub, mein linker Arm schmerzte, der Schmerz zog sich bis in die Brust und die Hand. Ich konnte meine Finger nichtbewegen… ein Herzinfakt? ein Schlaganfall? Nein. Ich wurde dennoch zur Beobachtung und weiteren Untersuchung auf die Stroke Unit (Schlaganfalleinheit) eingewiesen. Nach einigen Tagen und etlichen Untersuchungen kam ein junger Arzt auf mich zu – ich kann mich noch an seine braunen Augen erinnern – er sagte zu mir:
 
„Sie sind gesund. Ihr Körper ist gesund. Aber ihre Seele ist krank. Ihr Körper versucht sie mit diesen Reaktionen und Anfällen zu beschützen. Man nennt das eine ausgeprägte Angst-Panik-Störung.“
 
Er erklärte mir weiterhin, dass mein Gehirn vermutlich zu wenig Glückshormone entwickelt und damit mein Körper sehr schnell in den Überlebensmodus oder Schutzmodus ausweicht, wenn zu viel Stresshormone und zu wenig Glückshormone in meinem Körper gebildet werden.
 

Das war der Beginn einer langen langen Reise, auf welcher mich so viele Wunder und wundervolle Gefährten begleitet haben und immer noch begleiten. Eine Reise, auf der ich einen Weg gefunden habe mit dieser Störung zu leben und sogar glücklich zu sein, schmerzfrei, anfallfrei zu sein. Eine Reise, auf welcher ich gelernt habe, dass ich alles schaffen kann und diese Diagnose keine Störung ist, sondern ein Wunder. Mein Körper hat mir damit einen Weg geschenkt, auf mich besonders zu achten und mich besonders zu entfalten. Meinen Körper besonders zu schätzen, ist ein Wunder und das jeden Tag. Jeder Tag, an dem ich ohne Angst lebe, ist ein Wunder. Und selbst wenn mir mein Körper über physiologische Empfindungen meine Grenzen zeigt, ist das für mich ein Wunder. Denn dadurch darf ich jedes Mal dazu lernen und weiterwachsen.

 
 
Das größte Wunder ist dein Körper.
Das größte Wunder ist deine Seele.
Das größte Wunder bist du!
 
Danke!

Eine Antwort schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.